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Das Wunder von Bern

Am 4. Juli 1954 schlug die deutsche Nationalelf im WM-Finale in Bern die Ungarn mit 3:2. Die Spieler um Trainer Sepp Herberger, allen voran der kürzlich verstorbene Schütze des Siegtores, Helmut Rahn, wurden zu Helden.

Der Sieg war mehr als nur ein sportlicher Triumph. Streng genommen ist das legendäre 3:2 von Bern nicht einmal ein westdeutsches, sondern eher ein gesamtdeutsches Ereignis. Im Fußball hatte die geteilte Nation noch einmal zusammengefunden. Der Politik des sportlich völlig abstinenten Kanzlers Konrad Adenauer kam es nicht ungelegen, dass die kommunistischen Machthaber der SED in arge Begründungsnöte gerieten, zumal in einer Phase, da sie sich ideologisch noch nicht von der Einheit der Nation verabschiedet hatten.

Während der SED-Staat die Daumen für die sozialistischen Brüder aus Ungarn drückte, hielten jedoch die in der sowjetisch besetzten Zone lebenden Deutschen zu ihren westdeutschen Landsleuten. So stellte die erfolgreiche Nationalmannschaft der Bundesrepublik über Jahrzehnte den wichtigsten grenzübergreifenden Bezugspunkt für sportbegeisterte DDR-Bürger dar. Im Schwimmen oder in der Leichtathletik waren die Sportler aus Thüringen, Sachsen oder Brandenburg der Bundesrepublik meist überlegen. Nur im Fußball gab es eine still gehegte Bewunderung für westdeutsche Mannschaften und Kicker-Idole wie Fritz Walter, Uwe Seeler, Franz Beckenbauer oder Gerd Müller. Man fieberte verstohlen mit der Bundesliga-Elite, wenn Weltmeisterschaften waren und die eigene Auswahl wieder einmal nur zuschauen durfte.

Das deutsche Volk hatte unter der „Zentnerlast der Zweitklassigkeit“ gelitten. Der psychische Zustand einer um ihre Identität gebrachten Nation, deren Bezugspunkte, Orientierungswillen und Werte verloren gegangen waren wurde durch diesen Sieg verändert. Nicht elf Fußballer, sondern "wir", die Deutschen, hatten gewonnen. Danach hat der Sieg von Bern die Republik zwar nicht neu begründet, aber mental verändert. Die glanzvollen Bilder der Sieger hätten die düsteren Schatten der Vergangenheit überblendet. Zum ersten Mal seit der Stunde Null im Jahr 1945 gab es wieder „eine Art kollektiven Glückszustand, ein Gegenbild zum Nazi-Reich“.

Link: Deutscher Fußballbund