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Otto von Bismarck, Fürst (1815 - 1898)

Gründer und erster Kanzler des Deutschen Reiches.

Reichskanzler von 1871 bis 1890 (auch genannt der Eiserne Kanzler)

Otto von Bismarck entstammte dem ostelbischen Junkertum und war Preuße durch und durch. Er studierte Rechtswissenschaften in Göttingen und war Mitglied des Corps Hannovera Göttingen. Danach war er an Gerichten und Behörden tätig, zugleich leistete er seinen einjährigen Militärdienst ab. 1838 verließ er den Staatsdienst und beginnt seinen Militärdienst als Einjährig-Freiwilliger. Nach dem Tod seiner Mutter wurde er Landwirt und übernahm mehr oder weniger erfolgreich die Bewirtschaftung des Bismarckschen Besitzes Schönhausen. Daß er auch darin allein nicht seinen Lebensinhalt finden konnte, zeigte sich in politischen Ambitionen, aber auch in ausgeprägter Beschäftigung mit Philosophie, Kunst, Religion und Literatur.

Im Jahr 1847 heiratete er in Reinfeld (Pommern) Johanna von Puttkamer, mit der ihn trotz mehrerer Romanzen Zeit seines Lebens eine innige Liebe verband, wie man anhand des lesenswerten Briefwechsels zwischen den beiden nachvollziehen kann. Zu dieser Zeit wurde er auch politisch aktiv als Mitglied des preußischen Vereinigten Landtages. 1849 und 1850 gehörte er der Zweiten Kammer des Landtages an und war Wortführer des äußersten rechten Flügels. Während der Märzrevolution von 1848/49 profilierte er sich als konsequenter Verteidiger des monarchischen Prinzips. Einen auf Volkssouveränität gegründeten deutschen Nationalstaat, wie ihn die Frankfurter Nationalversammlung proklamierte, lehnte er ab - Preußen sollte Preußen bleiben. Obwohl Bismarck keine diplomatische Ausbildung besaß, wurde er 1851 zum preußischen Gesandten beim Bundestag in Frankfurt ernannt. In den Jahren 1859-1862 war er Gesandter in St. Petersburg und sogar kurzfristig Botschafter in Paris. Am 23. September 1862 wurde Bismarck von König Wilhelm I. im Verfassungskonflikt zum preußischen Ministerpräsidenten, am 8. Oktober 1862 dann noch zum preußischen Ministerpräsidenten berufen. Bismarck war als Monarchist bekannt und bot als einer der wenigen die Garantie, bedingungslos für den preußischen König gegen das Parlament die notwendige Militärreform durchzusetzen.

1864 führte Preußen im Bunde mit Österreich erfolgreich den Deutsch-Dänischen Krieg um Schleswig-Holstein. Danach steuerte Bismarck einen Konflikt mit Österreich an, um die Deutsche Frage zu lösen. Der Deutsch-Österreichische Krieg gegen Österreich endete mit der Auflösung des Deutschen Bundes. In der Folge wurde 1867 unter immensen Gebietsgewinnen Preußens der Norddeutsche Bund gegründet. Mit den süddeutschen Staaten wurden Schutzbündnisse abgeschlossen und Bismarck wurde Kanzler.

Als Folge der Stärkung Preußens steigerten sich die deutsch-französischen Gegensätze so, dass die spanische Thronkandidatur von Prinz Leopold von Hohenzollern-Sigmaringen zum Deutsch-Französischen Krieg von 1870/71 führte. Bismarck hatte zuvor den Beitritt der süddeutschen Staaten zum Norddeutschen Bund erreicht. Seine Bemühungen um die nationale Einigung gipfelten nach dem Sieg der deutschen Truppen in der Kaiserproklamation Wilhelms I. im Januar 1871 in Versailles und der Gründung des Deutschen Reiches.

Bismarck erreichte durch den Frieden von Frankfurt zudem den territorialen Zugewinn von Elsaß-Lothringen. Die Gründung des Deutschen Reichs wurde maßgeblich von Bismarck initiiert. Er gilt allgemein als Architekt des Zweiten Deutschen Kaiserreichs. Bismarck wurde erster Reichskanzler, blieb aber zudem wie vorgesehen preußischer Ministerpräsident.

Von 1871 bis 1878 führte Bismarck den so genannten Kulturkampf gegen die katholische Kirche und die katholische Zentrumspartei, da er fürchtete, diese seien „Reichsfeinde“ und dem Papst mehr zugetan als dem deutschen Kaiser. Im Zuge dieser Auseinandersetzung wurden Rechte und Machtstellung der Kirche durch Reichs- und preußische Landesgesetze beschnitten (Kanzelparagraph, Brotkorbgesetz) und auch die Zivilehe eingeführt. 1878 nahm er ein Attentat auf Kaiser Wilhelm I. zum Anlass, das Sozialistengesetz im Reichstag zu initiieren, welches bis 1890 in Kraft blieb. Dieses Ausnahmegesetz, das seinen Zweck letztlich verfehlte, erlaubte es, die sozialistische Agitation zu verbieten, ließ jedoch die politische Arbeit der Sozialdemokratischen Partei in Wahlmandaten wie beispielsweise im Reichstag unangetastet. Bismarck versuchte, die Arbeiterschaft mit dem Staate zu versöhnen, indem er 1881-1889 weit reichende Sozialgesetze zur Kranken-, Unfall-, Renten- und Invaliditätsversicherung durchsetzte, die Grundlage auch für den heutigen Sozialstaat sind.

Voraussetzung für Bismarcks erfolgreiche Außenpolitik war die „Saturiertheit“ des Reiches nach der Reichseinigung von 1871, das heißt der Verzicht auf weitere Expansion und weitere Annexionen. So konnte er durch eine geschickte Bündnispolitik das europäische Mächtegleichgewicht erhalten, einer Isolierung Deutschlands vorbeugen und Kriege der Nachbarn gegen das Deutsche Reich, aber auch gegeneinander verhindern (Berliner Kongress 1878). Grundlage der Bündnispolitik war das Dreikaiserabkommen von 1873 mit Österreich-Ungarn und Russland. 1879 konnte er den Zweibund mit Österreich-Ungarn abschließen, der mit dem Beitritt Italiens 1882 zum Dreibund erweitert wurde. Ein großer außenpolitischer Erfolg war der Rückversicherungsvertrag 1887 mit Russland. Auf Grund seiner geographischen Lage und seiner neu erworbenen Stärke war das neu entstandene Deutsche Reich prinzipiell ständig in der Gefahr eines Zweifrontenkrieges. Wenn dann noch innere Zerrissenheit durch die von v. B. immer bekämpfte Parlamentsherrschaft hinzukam, war das Land in seinem Bestande gefährdet. Dieser cauchemar des coalitions (Alptraum der [inneren und äußeren] Koalitionen) war die Hauptgefahr seit der Reichsgründung. Sie abzuschwächen war alleiniges außenpolitisches Ziel der Bismarckschen Bündnispolitik.

Link: www.bismarck-stiftung.de